Amphibiengewässer

Auf der Wiese hinter unserem Haus haben wir einen eigenen See. Das war nicht immer so. Ursprünglich war dort eine Heuwiese, auf der durch Torfveratmung (Torfmineralisierung) immer größere Senken entstanden. Darin staute sich das Wasser so sehr, dass die Heuballen bis zur Hälfte im Wasser standen. Die Arbeit mit schwerer Techik tat ihr Übriges. Man durchbrach beim Befahren mit dem Traktor die Grasnarbe und musste sich irgendwie wieder herauswühlen. In den entstandenen Blänken laichten manchmal Rotbauchunken. Allerdings mit wenig Erfolg, denn diese flachen Pfützen trockneten schnell wieder aus.

Detlef Glase, Geschäftsführer des örtlichen Wasser- und Bodenverbandes Rhin-/Havelluch, gab dann den entscheidenden Tipp, die betroffene Fläche naturschutzlich umzuwidmen und ein Stillgewässer anzulegen. Er empfahl den Kontakt zu Frau Birgit Groth von der Flächenagentur Brandenburg, die dann das Projekt weiter betreute.

Gemeinsam mit dem Berliner Geologen Dietrich Müller wurden Bodenprofile über die gesamte Fläche erstellt, Herr Torsten Seeger vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch begutachtete das Gebiet aus naturschutzfachlicher Sicht.

Im Winter vermaßen wir die vereisten Senken mit GPS und markierten sie mit Pflöcken. Anschließend erstellten wir dann eine Projektdokumentation.

Die Flächenagentur finanzierte das Projekt, die Planung übernahm Gerhard Richter vom Ingenieurbüro Franke, Richter, Brüggemann aus Postdam und die Firma Unibau aus Perleberg unter Bauleiter Dominic Krüll führte dann im Frühjahr 2008 die "Anlage eines Amphibiengewässers" als vorgezogene Maßnahme nach § 14 BbgNatSchG aus.

Der See wurde mit Bagger und Planierraupe ausgehoben, ohne den Moorgrund zu durchstoßen. Die Ufer wurden flach gestaltet und die Kontur des Sees mit mehreren Einstülpungen angelegt. Der Aushub wurde um den See herum verteilt, konnte aber wegen des aufgeschwemmten Bodens nicht geglättet werden. Das sollte uns noch viele Kopfzerbrechen bereiten, denn keine Technik konnte das Seeufer in den darauf folgenden Jahren mit vertretbaren Aufwand glätten. Erst der Einsatz unserer Wollschweine schaffte dies innerhalb von 3 Monaten.

Die Baumaßnahmen dauerten drei Wochen.

Beeindruckend war, wie viele Pflanzen im ersten Jahr um den See wuchsen. Im zweiten Jahr verschwanden viele davon wieder, weil sie vom ortsüblichen Rohrglanzgras überdeckt wurden. Im dritten Jahr wurden dann Schafe und Ziegen zur Landschaftspflege eingesetzt, mit geringem Erfolg. Erst im vierten Jahr wurde der Esel auf die Fläche gestellt, und das brachte das gewünschte Ergebnis - die Artenvielfalt nahm deutlich zu.

Die Tiefe des Sees beträgt je nach Wasserstand zwischen 80cm und 185cm. Die unterste Schicht des Sees bis 80cm Tiefe über Grund ist mit sumpfigen Schwebstoffen gefüllt. Sie hat auch im Sommer ständig eine Temperatur von unter 10°C. Auf der Wasserschicht darüber wachsen üppig Moose, Algen und Rohrkolben.

Im See wurde eine Messlatte zur Kontrolle des Wasserstandes errichtet. In Verbindung mit den täglich gemessenen Niederschlagswerten erhält man eine aussagekräftige Kurve für den Verdunstungszustand der umliegenden Luchflächen.

Durch die extra flach angelegten Ufer schwankt die Uferzone je nach Wasserpegel stark. Dies hat vor allem Einfluss auf die auf diesen "Schwemmwiesen" wachsenden Pflanzen.

Jahr Niederschlag Pegel min Pegel max
2008 252 97 160
2009 560 82 165
2010 640 76 174
2011 643 102 182
2012 530 99 176
2013 687 96 185
2014 509 118 174
2015 530 72 183
2016 310 101 172
Tab: Jahressummen der gemessenen Klimawerte. 2008 unvollständig, 2016 von Januar bis Juli

Der See hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem intakten Reproduktionsgewässer für Amphibien, insbesondere der Rotbauchunke, entwickelt.

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